Dies ist die Chronik über Entstehung u. Gründung der DORFGEMEINSCHAFT ALLING.

Gründung 1956 – Und wie es dazu kam.

Der Allinger Obermüller Plabst betrieb die Gründung der „Genossenschaft zur Korrektur des Starzelbaches und der Entwässerung des unteren Allinger Mooses“. Diese war 1910 mit einem Kostenaufwand von 120 000 Mark vollendet. Dabei entstand aus dem Aushub die bekannte Roggensteiner Allee.

Jetzt setzte ein großer Siedlerzustrom ein. Und das besonders nach 1918. Und in Alling meinte man: die haben nichts, darum haben Sie auch nichts zu sagen. Doch das sollte sich sehr bald ändern. 1920 wurden 2 Eichenauer, Ondrusch-Grieder und Eichinger in den Gemeinderat gewählt. Aber bereits 1924 waren die Hälfte des Gemeinderats Eichenauer.

Nach mehreren stimmengleichen Abstimmungen – der Bürgermeister wurde damals vom Gemeinderat gewählt – wurde daraufhin der Bürgermeister durch das Los bestimmt. Dieses entschied zugunsten eines Eichenauers – Herr Neumeier. Der Diener Michl holte während der Ernte 1924 mit seinen Rösseln und einem Wagerl die Akten und Möbel aus der Allinger Gemeindekanzlei ab. Die Gemeindekanzlei war damit Gemeindeverwaltung Alling in Eichenau bis 1957.

Dann folgte die Retourkutsche. Hatten vorher die Allinger kein Verständnis für die Eichenau, so war das Prinzip jetzt: Eichenau zuerst. Es hatte sich ein großer Nachholbedarf dort angestaut.

Die Allinger Reaktion: die Eichenauer betrachten uns als Melkkuh. Wir wollen die Eichenau los haben. Die soll eine selbständige Gemeinde werden!

Und die Eichenauer meinten: die Allinger wollten uns die Luft zum Schnaufen wegnehmen!
Der Trennung stand der damalige Bezirksamtmann Niebler, so war die Bezeichnung damals für den heutigen Landrat, absolut ablehnend gegenüber. Niebler war auch einer der Mitbegründer der Baugenossenschaft Eichenau. Ein weiterer Allinger Vorstoß führte am 08.03.1933 zur Ablehnung von Bezirksamt und Innenministerium. Damit war die Trennung unerreichbar geworden.

Die Bestrebungen der Allinger lebten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sofort wieder auf. Im ersten Gemeinderat, der nach dem Krieg gewählt wurde, waren 4 Allinger, die einander mehr bekämpften als dass sie gemeinsam die Allinger Interessen vertreten hätten.

Die Allinger Wortführer riefen dann bei der Gemeinderatswahl 1952 zum Wahlboykott auf und bezeichneten jeden, der zur Wahl ging, als „Verräter an der Allinger Sache“. Damit gab es keine Vertretung Allings mehr im Gemeinderat. Die Allinger Belange musste damit ein Ortsausschuss gegenüber dem Gemeinderat vertreten. Das brachte nichts ein. Die Fronten verhärteten sich weiter.

Dann standen die Vorbereitungen zur Kommunalwahl 1956 an. Wieder wurde in Alling die Losung „Wahlboykott“ ausgegeben. Doch damit waren die Mitglieder im Ortsausschuß Herr Matthias Friedl und Herr Michael Reischl nicht einverstanden.

Sie meinten, die Allinger müßten im Interesse Allings vom Wahlrecht Gebrauch machen und Wahlrecht als moralische Verpflichtung zur Wahl betrachten. Eine Mehrheit für diese Meinung fand sich nicht.

So kündigten Herr Matthias Friedl und Herr Michael Reischl die Aufstellung eines Wahlvorschlages an und gaben ihm das Kennwort „DORFGEMEINSCHAFT ALLING“, weil nach den Querelen seit 1945 wieder eine echte Dorfgemeinschaft notwendig war, um in echtem Gemeinschaftsgeist die vielen Wunden Stellen in Alling – wie die Straßen, besonders die hintere Dorfstraße (jetzt Griesstr.), Schule, Lehrerwohnhaus das praktisch unbewohnbar war und ganz besonders die Aufhebung der Bausperre – zu beheben.

Am 01.03.1956 wurde somit von 12 Allinger Bürgern die DORFGEMEINSCHAFT ALLING gegründet.

Bei der Wahl im März 1956 war die Wahlbeteiligung so, dass nur ein Allinger – Herr Matthias Friedl – im Gemeinderat mitarbeiten konnte. Seine Meinung war: man muss miteinander reden und versuchen, die Zustimmung des Gemeinderats zur Trennung zu erreichen. Denn ohne die geht gar nichts. Dass das ohne Zugeständnisse und ohne Kompromiss nicht zu erreichen war, war Herrn Matthias Friedl klar. Nach vielen Fraktionsführerbesprechungen und interfraktionellen Beratungen war es schon 2 Monate später so weit, dass der Antrag von Herrn Matthias Friedl auf Neubildung der Gemeinde Alling und damit die Aufteilung der Gemeinde in 2 selbständige Gemeinden vom Gemeinderat einstimmig beantragt wurde. Die Allinger Gegner der Dorfgemeinschaft, die ebenso wie die Freunde zahlreich als Zuhörer bei der Sitzung anwesend waren, erwarteten eine vernichtende Niederlage für Herrn Matthias Friedl im Gemeinderat Alling-Eichenau und waren enttäuscht über dessen Erfolg.

Heute kann sich niemand mehr vorstellen, dass der Preis für die Zustimmung zur Trennung Kies und ein Tauschgrundstück für Kiesentnahme und einem damit zu schaffenden Badeweiher (heutiger Eichenauer Baggersee) sein konnte. Die Verfügung des Innenministeriums ordnete zum 1. April 1957 die Neubildung der Gemeinde Alling an. Für die Mitwirkung zu einem damit auch verbundenen Grundstückstausch im Rahmen der Flurbereinigung ist heute noch mal, wenn auch posthum Herrn Gregor Schmid zu danken.
Herr Matthias Friedl wurde der erste Bürgermeister der neu gebildeten Gemeinde Alling von 1957 bis 1972!

1957 wurde Alling also wieder selbstständige Gemeinde. Und die Selbständigkeit kam gerade noch zur rechten Zeit, bevor es etliche Jahre später unter Bruno Merk zu spät gewesen wäre. Bei der Planung der Gebietsreform schwebte den Veranstaltern eine von uns Allingern nicht gewollte Wiedervereinigung mit der Eichenau vor, die in Alling allgemein abgelehnt wurde.

Wir glauben behaupten zu dürfen:
Alling ist mit der Dorfgemeinschaft nicht schlecht gefahren,1956 nicht und auch nicht nach 1957.

In Alling hat sich seit 1957 so manches geändert, die Einwohnerzahl ist größer geworden durch die Rückkehr von Biburg, Holzhausen und Wagelsried in den Allinger Gemeindeverbund, wie er bereits im Jahre 1511 bestand als Linhart Seemüller Hauptmann der Hauptmannschaft Alling mit Biburg, Germannsberg, zeitweise Holzhausen, Wagelsried, Gagers, Pfaffing und Holzkirchen war.